Die Idee von Cradle to Cradle®


Teil sieben unserer Blog-Serie "Vorteile nachhaltigen Wirtschaftens für Unternehmen"

Wer sich mit den Themen Nachhaltigkeit und ressourcenschonendes Wirtschaften auseinandersetzt, wird früher oder später über den Begriff Cradle to Cradle® (C2C) stolpern. Im Zuge der zur Neige gehenden Ressourcen, namentlich der seltenen Erden, lohnt es sich, diese Idee etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Was verbirgt sich hinter der Idee von C2C? Der Begriff – zu Deutsch von der Wiege bis zur Wiege – steht für die Kreislaufwirtschaft nach dem Vorbild der Natur. Dabei versucht man, Stoffkreisläufe so zu schließen, dass neue Güter aus wiederverwerteten Rohstoffen alter Güter hergestellt werden. Die heutige Ökonomie funktioniert nach dem Prinzip der Linearwirtschaft, was faktisch auf eine Wegwerfgesellschaft hinausläuft. Gelangt ein Produkt ans Ende seines Lebenszyklus, wird es fortgeworfen. Dabei gehen die Ressourcen für immer verloren. Statt von der Wiege bis zur Wiege gehen hier die Rohstoffe von der Wiege bis zum Grab.

C2C will diesem Verschleiß entgegenwirken, indem es die Güter fortwährend in einem Kreislauf hält. Dabei geht man von zwei Zyklen aus: dem biologischen Kreislauf für Verbrauchsgüter und dem technischen Kreislauf für Gebrauchsgüter. Beim biologischen Kreislauf fördern die Stoffe durch ihre biologische Zersetzung das Wachstum neuer Rohstoffe und gelangen so wieder in den Kreislauf. Beim technologischen Kreislauf werden die Gebrauchsgüter am Ende ihrer Lebenszeit zerlegt und wiederverwertet. Die wiedergewonnenen Sekundärrohstoffe stehen somit für die Produktion neuer Güter zur Verfügung. Dazu braucht es ein gut funktionierendes Rücknahmesystem einerseits und moderne Recyclingsysteme nach dem Stand der Technik andererseits. Eine wichtige Frage ist jene nach dem Eigentum der Güter nach deren Gebrauchszeit. Die Hersteller haben alles Interesse daran, ihre ausgedienten Produkte wieder zurückzunehmen, um so über die notwendigen Ressourcen zur Produktion neuer Güter zu verfügen. Im C2C-Konzept wird der Konsument in Zukunft lediglich eine Dienstleistung und nicht ein Produkt erwerben: beispielsweise das „Aus-dem-Fenster-Gucken“ beim Kauf von Fenstern oder das Fernsehen beim TV-Gerät.

Die Produktion von Gebrauchsgütern wird durch C2C anspruchsvoller. Für das Produktdesign sind heute hauptsächlich Leistung und Preis von Belang. Im Kreislaufsystem muss zusätzlich die Komponente Rohstoff mitberücksichtigt werden. Es gilt, ein Gerät so zu designen, dass es zerlegt und dank wiedergewonnener Sekundärrohstoffe wieder in den Kreislauf integriert werden kann. Doch mit C2C lässt sich der gesamte Wertschöpfungszyklus optimieren. Die Kreislaufwirtschaft ermöglicht ein transparentes Einkaufs- und Prozessmanagement und die Kosten können für Wirtschaft, Umwelt und Soziales profitabel gestaltet werden. Eine Studie von McKinsey hat ergeben, dass sich durch die Kreislaufwirtschaft bis 2025 rund eine Billion US-Dollar einsparen lässt. Eine Zahl, bei der nicht nur grüne Weltverbesserer, sondern auch Wirtschaftsexperten und Unternehmer aufhorchen.

Es gibt Wirtschaftszweige, welche die Kreislaufwirtschaft bereits erfolgreich umsetzen, etwa die Aluminiumbranche. Für andere Sparten gilt es, möglichst bald das riesige Potenzial der Kreislaufwirtschaft auszuschöpfen. Die Baubranche beispielsweise benötigt laut Unep (Umweltprogramm der Vereinten Nationen) ein Drittel aller weltweiten Ressourcen. Zwar zeigt man sich im Bausektor am Kreislaufprinzip interessiert. Doch werden erst neue Kreislaufwirtschaftsgesetze gefordert, denn die Recyclingbranche sei heute zu mächtig und verfolge ihre eigenen Interessen. Anders gesagt, diese verdient mit den Sekundärrohstoffen an der Wertstoffbörse gutes Geld und hat kein Interesse daran, ihre Pfründe mit anderen Marktteilnehmern zu teilen.

Cradle to Cradle® ist keine verschrobene Spinnerei träumerischer Gutmenschen. Vielmehr ist es ein vielversprechendes Konzept, entworfen vom namhaften Chemiker Michael Braungart und dem Architekten William McDonough. Braungart betreibt mit seiner Firma EPEA eine Beratungs- und Denkfabrik, die sich intensiv mit dem Kreislaufprinzip auseinandersetzt. Es wäre wichtig, dass der Paradigmenwechsel möglichst rasch vollzogen wird: weg vom Rohstoffverschleiß, hin zum Denken in Kreisläufen. Im Interesse der kommenden Generationen.

Kategorien

Letzte Beiträge

| Aktualisierung der GRI-Standards GRI 403 Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sowie GRI 303 Wasser und Abwasser

Die anhaltende Verschlechterung der Umweltressourcen und das Versäumnis, weltweit sichere und gesunde Arbeitsumgebungen zu schaffen, haben den Themen Wasser und Arbeitsschutz eine...

Weiterlesen …

| Schritte in Richtung emissionsfreier Wirtschaft

Ein internationales Team von Wissenschaftlern diskutiert in einer neuen Studie im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) die Folgen globaler Erw...

Weiterlesen …


Blog-Archiv

Zurück