Energie aus Biomasse – ethisch korrekt?


Blog-Serie "Vorteile nachhaltigen Wirtschaftens für Unternehmen"

Energie aus Biomasse – ethisch korrekt?

Unser Energiehunger ist unbändig. Kein Wunder suchen wir mit Hochdruck nach neuen Energiequellen. Biomasseenergie ist eine davon. Die Idee, durch Nutzung nachwachsender Rohstoffe Energie zu erzeugen, ist fast so alt wie die Menschheit. Doch wie sinnvoll ist es, in diese Energieart zu investieren? Erhobene Mahnfinger gibt es zuhauf.

Biomasse entsteht aus alltäglichen chemischen Reaktionen wie Fotosynthese. Sie wird zur direkten Wärmeerzeugung und indirekt zur Stromerzeugung genutzt. Holz ist hier der meist verbreitete Energieträger. Weitere bekannte Energieträger sind Raps zur Herstellung von Biodiesel, Mais zur Produktion von Biogas oder Zuckerrüben und Getreide zur Erzeugung von Bioethanol. Selbst aus Abfällen lässt sich Treibstoff herstellen: So wird aus Gülle, Bioabfällen oder Klärschlamm Biogas, aus Altöl Biodiesel. Aus Biomasse können also Strom sowie Kraftstoffe für Fahrzeuge erzeugt werden. Es gibt kaum eine Energie, die für die Menschen von Bedeutung ist, die nicht aus Biomasse erzeugt werden könnte. Gegenüber Erdöl, Erdgas oder Kohle gilt Biomasse als nachhaltig, da sie CO2-neutral sein soll. Als Energiequelle ist Biomasse günstig, fast überall verfügbar und erneuert sich ständig.

Die Energie aus Biomasse kreiert aber mehr Probleme, als dass sie lösen würde. So sind zur Herstellung von Biomasseenergie meist mehrere Prozessschritte notwendig. Dafür werden Dünger, Pestizide, Maschinen und spezielle Anlagen benötigt. Abgesehen davon, dass die CO2-Bilanz der Energie aus Biomasse doch nicht so überzeugend ausfällt, führen Gegner ethische Argumente ins Feld. Sie monieren, es sei Irrsinn, Lebensmittel für die Energiegewinnung anzubauen, nur damit wir unsere Mobilität nicht einschränken müssen. Währenddessen leiden Menschen in weiten Teilen der Welt an Hunger und Unterernährung. Energiepflanzen würden der Landwirtschaft wichtige Anbauflächen wegnehmen. Gerade dieses Argument wird von Befürwortern gekontert. Sie berufen sich auf (fragwürdige) Überschüsse aus der Produktion von Nahrungs- und Futtermittel, die sonst nutzlos verbrennt werden müssten. Landwirte seien gezwungen, ganze Anbauflächen stillzulegen, damit die Lebensmittel- und Futterpreise nicht abstürzten. Es stünden durchaus brachliegende Anbauflächen zur Verfügung, die für die Biomasseenergie genutzt werden könnten. Zudem erlaube die lokale Verfügbarkeit und Verarbeitung eine Wertschöpfung in Deutschland und schaffe Arbeitsplätze. Erstaunlicherweise importiert Deutschland aber zu einem überwiegenden Teil jene Rohstoffe, die es für die Biomasseenergie benötigt.

Die Anbauflächen sind begrenzt. Bei wachsender Bevölkerung und steigendem Energiebedarf sind sie irgendwann ausgeschöpft. So viel steht fest. Das Abholzen von Regenwäldern zur Anlage von Soja- oder Palmöl-Monokulturen ist hinsichtlich der Notwendigkeit, den gegenwärtigen CO2-Ausstoß zu binden, geradezu kontraproduktiv. Wenn Ökosysteme aus dem Gleichgewicht geraten – egal wo - spüren wir die Folgen des veränderten Klimas auch bei uns.

Es ist hochproblematisch, wenn die Energiegewinnung aus Nahrungsmitteln zu einem Geschäftsmodell wird. Es grenzt an Zynismus, angesichts der vielen unerwünschten Wirtschaftsflüchtlingen aus Afrika auf Energie aus Lebensmitteln zu setzen, bevor wir den Hunger in der Welt (und somit einen wichtigen Migrationsgrund) in den Griff bekommen. Schließlich ist es dumm, hier das Weltklima mit Maßnahmen retten zu wollen, welche die Umwelt anderswo belasten.

Sicher macht es Sinn, aus lokal anfallenden Abfallstoffen wie Gülle, Bioabfällen oder Altfetten Kraftstoffe herzustellen. Doch sollten diese ebenfalls lokal, beispielsweise auf dem eigenen Hof, genutzt werden. Auch spricht kaum etwas dagegen, mit einheimischem Holz zu heizen. Dennoch kommen wir nicht umhin, mit Nachdruck in Solar- und Windenergie zu investieren. Selbst wenn uns das anfangs etwas teurer zu stehen kommt.

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