Energieaudit: Pflicht oder Kür?


Teil vierzehn unserer Blog-Serie "Vorteile nachhaltigen Wirtschaftens für Unternehmen"

Energieaudit: Pflicht oder Kür?

Seit diesem Jahr besteht die gesetzliche Pflicht, alle vier Jahre einen Energieaudit nach EN-16247 durchzuführen. Diese Regelung betrifft alle Unternehmen, die entweder mehr als 250 Mitarbeiter beschäftigen, über 50 Mio. EUR Umsatz generieren oder eine Bilanzsumme von mehr als 43 Mio. EUR aufweisen. Mittelstandsunternehmen sind demnach von dieser Regelung ausgenommen.

Dennoch sollten sich auch KMU-Unternehmer überlegen, Energieaudits nach EN-16247 durchzuführen, denn damit verschaffen sie sich einige Vorteile. Hier eine Auswahl:

  • Die erhobenen Energiekennzahlen bilden eine gute Basis für den kontinuierlichen Verbesserungsprozess, den auch KMU anstreben sollten.
  • Der standardisierte Audit schafft Transparenz und ermöglicht ein Benchmarking.
  • DIN EN-16247 kann als Basis für die Global Reporting Initiative (GRI) herangezogen werden.

EN-16247 gilt als Energiemanagementsystem „light“. Sollte ein Unternehmen eine der oben genannten Größen erreichen, verfügt es dank Energieaudits bereits über wichtige Daten, um mit minimalem Aufwand ein Energiemanagementsystem einzuführen. Zudem kann man Kosten einsparen: Durch die Audits lässt sich der übermäßige Energieverbrauch identifizieren und entsprechend drosseln. Denn unnötig verbrauchte Ressourcen sind unnötige Kosten. Der Energieaudit kann also auch für KMU ein wertvolles Instrument in der Unternehmensführung sein. Bei den Großunternehmen stellt sich indes eine andere Frage: Reicht der obligatorische Energieaudit nach EN-16247 oder führen wir ein freiwilliges Energiemanagementsystem nach ISO 50001 oder EMAS ein? Die Einführung von anerkannten Energiemanagementsystemen befreit Firmen von einer Auditierung nach EN-16247. Doch was gewinnen Unternehmen, wenn sie sich nicht aufs Pflichtprogramm beschränken, sondern gleich zur Kür ansetzen?

Die Einführung eines Energiemanagementsystems birgt Vor- und Nachteile, die es gegeneinander abzuwägen gilt. So verschlingt dessen Implementierung Zeit und Geld, denn der Umfang der Zertifizierung ist weit arbeitsintensiver als bei EN-16247. Zur Zertifizierung nach ISO 50001 muss man externen Beratern Tür und Bücher öffnen. Diese stellen dafür happige Honorare in Rechnung. Während beim Energieaudit EN-16247 lediglich Daten erhoben werden, also der Istzustand abgebildet wird, ist der kontinuierliche Verbesserungsprozess ein zwingender Bestandteil von ISO 50001. Die nach der ISO-Norm zertifizierten Unternehmen müssen demnach laufend den Nachweis erbringen, die identifizierten Problemzonen beseitigt zu haben – oder zumindest belegen, daran zu arbeiten.

Kein Unternehmen würde ein Energiemanagementsystem einführen, wenn die Vorteile nicht überwiegen würden. Die Systematik der Vorgehensweise und die wiederkehrenden Prozesse erleichtern den Unternehmen, den Energieverbrauch zu überwachen. Externe Berater kosten zwar. Sie verfügen aber auch über den wertvollen Blick von außen, sind nicht betriebsblind und geben oft wertvolle Inputs, die interne Mitarbeiter übersehen würden. Zudem ist ein Energiemanagementsystem mittlerweile integraler Bestandteil des ganzheitlichen Managementsystems. Der kontinuierliche Verbesserungsprozess hilft, erheblich Ressourcen und damit Kosten zu sparen. So maximieren Unternehmen nicht nur die Habenseite in ihrer Erfolgsrechnung – mit den eingesparten Ressourcen leisten sie einen wertvollen Beitrag zur angestrebten Energiewende.

Allein die Möglichkeit, Kosten zu sparen, spricht für die Einführung eines Energiemanagementsystems. Darüber hinaus setzen Unternehmen damit wichtige Zeichen – intern wie extern. Sie sensibilisieren die Mitarbeiter hinsichtlich Ressourcenverbrauchs und schaffen mit ihrem Bekenntnis zur Nachhaltigkeit, das über das gesetzliche Minimum hinaus geht, Vertrauen bei allen Anspruchsgruppen. Faktoren, die zu einem tadellosen Unternehmensimage beitragen. Diese Vorteile lassen sich zwar nur schwer beziffern, stellen jedoch einen kostbaren Asset dar. Auch wenn die Zertifizierung nach ISO 50001 freiwillig ist: Die Kür ist Erfolg versprechender als die Pflicht.

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