Externe Effekte – wer trägt die Verantwortung?


Blog-Serie "Vorteile nachhaltigen Wirtschaftens für Unternehmen"

Externe Effekte – wer trägt die Verantwortung?

Eigentlich wäre die Frage ja schnell beantwortet: Wer externe Effekte verursacht, trägt die Verantwortung. Punkt. Ende der Geschichte. Doch geht man der Sache auf den Grund, kommt man ins Grübeln. Denn für die negativen, externen Effekte will niemand die Verantwortung übernehmen; die kosten ja nur! Sie sind die Eiterbeule der Ökonomie.

Sicher kennen Sie die bedeutungsschweren Begriffe der Wirtschaft: Marktpreise, Grenzkosten, Grenznutzen oder Kostenwahrheit, um nur einige zu nennen. Alles Vokabeln, die uns Wirtschaftsführer und Ökonomen nur zu gerne um die Ohren schlagen. Fakt ist jedoch, dass es Kostenwahrheit auch in der freien Marktwirtschaft kaum je gibt. Der Marktpreis für ein Gut beinhaltet im Idealfall zwei Komponenten: Er widerspiegelt den Nutzen eines Produktes für die Gesellschaft und er reflektiert die Produktionskosten. Bei den negativen, externen Effekten liegen Einflüsse vor, die jedoch nicht in die Preiskalkulation einfließen, weil kein Markt dafür besteht. Meist werden durch die externen Effekte so genannte freie Güter in Mitleidenschaft gezogen, also Wasser oder Luft. Während Unternehmen dank tiefer Gestehungskosten satte Gewinne einstreichen, trägt die Allgemeinheit die Kosten für Luft- und Wasserverschmutzung. Die Atomenergie beispielsweise ist nur deshalb so günstig, weil im Preis die Kosten für potenzielle Unfallkosten nicht eingerechnet werden müssen. Wäre es anders, hätten wir längst auf erneuerbare Energien umgesattelt. Die Transportpreise sind in der Preiskalkulation nahezu vernachlässigbar, weil die Kosten für Umwelt- und Gesundheitsschäden nicht im Preis enthalten sind. Das erlaubt es uns, Erdbeeren in Italien zu pflücken, sie zum Verpacken nach Dänemark zu karren, um sie schließlich in Ungarn zu verkaufen. Ein Irrsinn. Die Öffentlichkeit bezahlt die Folgen. Gewisse Ökonomen behaupten, ein Wirtschaftsmodell, das die externen Effekte ignorieren kann, sei ineffizient. Denn Güter sollten nur dann produziert werden, wenn ihr Gesamtnutzen, respektive ihr Preis, mindestens so hoch sei, wie die integrierten Produktionskosten. Mit der heutigen Preiskalkulation – ohne Kosten für die externen Effekte – sei das nicht gegeben.

Noch ist nicht klar, wie dieses Problem methodisch anzugehen ist. Das Beziffern von Kosten für externe Effekte ist ausgesprochen anspruchsvoll – selbst für altgediente Ökonomen. Deshalb ist es vermutlich zielführender, das Thema auf der ethischen Ebene anzusiedeln. Die Entscheidungsträger der Wirtschaft sollten sich weniger von reinen Kostenfaktoren leiten lassen und vermehrt das Gesamtbild im Auge behalten. Einweg-Getränkeflaschen sind vielleicht günstig und für Getränkehersteller lukrativ, wenn der Staat den Abfallberg beseitigt und der Bürger dies mit Steuerabgaben bezahlt. Wer unnötige Transporte meidet und stets das ökologisch sinnvollste Transportmittel wählt, darf nicht länger als exotischer Weltverbesserer dastehen. Wo Wasser verschmutzt wird, muss es selbstverständlich sein, dass das verursachende Unternehmen das Wasser auf eigene Kosten wieder reinigt. Man stelle sich vor, eine Chemiefabrik entlang des Rheins besitze flussabwärts zugleich eine Fischzucht. Würde das Unternehmen Mindereinträge durch selbst verunreinigtes Wasser in Kauf nehmen? Eben. Was im unternehmensinternen Rahmen so selbstverständlich ist, sollte auch dann zur Normalität werden, wenn die Kosten der Allgemeinheit aufgebürdet werden können.

Die freien Güter stehen uns längst nicht mehr unbegrenzt zur Verfügung. Höchste Zeit, dass wir alle Verantwortung übernehmen: Unternehmen, indem sie die externen Effekte internalisieren. Und wir Konsumenten, indem wir bereit sind, reelle Preise für unseren Konsum zu bezahlen, bei denen die Kosten zu Behebung der Umwelteinflüsse eingeschlossen sind.

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