Umweltbelastungen in globalen Lieferketten und Maßnahmen zur Optimierung - Teil 2


Dieser Beitrag ist der 2. Teil über die Umweltbelastungen In den internationalen Lieferketten von Unternehmen als Zusammenfassung der Studie “Umweltatlas Lieferketten – Umweltwirkungen und Hot-Spots in der Lieferkette”. Teil 1 finden Sie HIER. Teil 1 beschäftigt sich mit den methodischen Grundlagen der Studie und den Ergebnissen für die Branchen Bekleidungseinzelhandel, Chemieindustrie, Elektronikindustrie und Fahrzeugbau.

Dieser Teil stellt die Ergebnisse der Sektoren  Lebensmitteleinzelhandel, Maschinenbau, Metallerzeugung und -verarbeitung und die Papierindustrie dar und wir geben Anregungen für Maßnahmen zur nachhaltigen Optimierung der Lieferkette.

 

Die wichtigsten Branchen-Erkenntnisse

 

Für alle acht untersuchten Branchen ergeben sich folgende Umweltwirkungen pro Euro Umsatz:


Quelle: Umweltatlas Lieferketten – Umweltwirkungen und Hot-Spots in der Lieferkette

 

Lebensmitteleinzelhandel

Der Lebensmitteleinzelhandel verursacht im Vergleich der untersuchten Branchen die höchsten Umweltwirkungen. Diese werden vor allem durch die Rohstoffgewinnung und -erzeugung verursacht. Hier fallen vor allem THG- und Schadstoffemissionen und der Wasserverbrauch ins Gewicht. Besonders hervorzuheben ist der Wasserverbrauch bei der Produktion von Lebensmitteln in Regionen mit hohem Wasserstress, vor allem in Spanien und Asien. Die deutschen Lebensmittelhändler sollten also vor allem hier Maßnahmen, besonders beim Anbau von Obst und Gemüse,, Getreide und ölreichen Saaten wie Raps und Soja durchführen. Wie aktuell das Thema ist, zeigen Meldungen, dass in Spanien das Frühjahr 2017 das heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ist und mit Dürren und Ernteausfällen zu rechnen ist. Auch in Italien wird aufgrund der Dürre für 2017 mit Einbußen von mehr als einer Milliarde Euro gerechnet.

In der Lebensmittelbranche helfen die IFOAM Norms for Organic Production and Processing oder der Sustainable Agriculture Standard des Sustainable Agriculture Networks (SAN).

Auch der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) engagiert sich beispielsweise und führt mit Unterstützung von 360report ein jährliches Nachhaltigkeitsmonitoring bei allen 200 Mitgliedsunternehmen durch. Der BNN ist auch von IFOAM.

 

Maschinenbau

Auf den Umsatz bezogen schneidet der Maschinenbau bei den Umweltwirkungen am Besten ab. Wie beim Fahrzeugbau sind auch in diesem Sektor die Treibhausgas- und Schadstoffemissionen das Hauptthema. Auch hier fallen circa 90 % der Emissionen in den vorgelagerten Prozessen an. Die Hauptverursacher sind auch hier wieder die Metallverarbeitung und der Stromverbrauch der Zulieferer. Neben Deutschland entsteht ein Großteil der Emissionen vor allem in der Vorkette in Russland und China. Durch die dort vorherrschenden geringen Standards, entstehen hier auch große Mengen an Schadstoffen wie NOx.

Analog zum Fahrzeugbau sind die Leitfäden der International Council on Mining and Metals (ICMM) oder die Standards der Aluminium Stewardship Initiative (ASI) relevant. Wie bei allen Branchen stellen auch EMAS, ISO 14001 und ISO 50001 eine große Hilfe beim Management und der Verbesserung der Prozesse in der Lieferkette dar.

 

Metallerzeugung und -verarbeitung

Unternehmen der metallerzeugenden und -verarbeitenden Branche weisen die höchste CO2-Intensität in ihrer Wertschöpfungskette auf. Da ein Drittel der Treibhausgasemissionen (THG) und Luftschadstoffe bei den direkten Lieferanten anfallen, besteht die Möglichkeit einer direkten Einflussnahme auf diese Unternehmen. Da ein Großteil der Lieferanten aus der gleichen Branche stammen, ist könnte ein Erfahrungsaustausch über Verbesserungsmaßnahmen hilfreich sein.

Als Hilfestellung sind die Leitfäden der International Council on Mining and Metals (ICMM) oder die Standards der Aluminium Stewardship Initiative (ASI) zu empfehlen.

 

Papierindustrie

Die Papierbranche ist die kleinste der analysierten Branchen, weist jedoch hohe Umweltwirkungen bezogen auf den Umsatz auf. Über 40 % der NOx-Emissionen entlang der Wertschöpfungskette werden durch die zuliefernde Holz- und Papierindustrie verursacht. Weitere Schwerpunkte und damit Fokusfelder für Maßnahmen sind der Strombezug sowie Transporte.

Standards für eine nachhaltige Forstwirtschaft sind Forest Stewardship Council (FSC) und Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC).

Wie in folgendem Diagramm für die Papierindustrie dargestellt, wird in der Studie werden für jede Branche die Wertschöpfungsanteile in der Lieferkette nach wesentlichen Ländern und Lieferkettenstufen untersucht und aufgeschlüsselt. Daraus wird berechnet, welche Umwelteffekte in welchen Ländern besonders hohe Auswirkungen haben.

Quelle: Umweltatlas Lieferketten – Umweltwirkungen und Hot-Spots in der Lieferkette


Maßnahmen zur nachhaltigen Optimierung der Lieferkette

Bei den einzelnen beschriebenen Branchen wurden bereits spezifische Standards und Hilfestellungen aufgelistet. Nachfolgend sind allgemeine Vorschläge aufgeführt, die auf alle Branchen angewendet werden können.

Als erste Maßnahme ist die Schaffung von Transparenz in der Lieferkette nötig. Dazu eignen sich Managementsysteme sehr gut. Beim Fahrzeugbau ist es bereits üblich, dass Lieferanten Umweltmanagementsysteme nach EMAS oder ISO 14001 vorweisen müssen. Durch die CSR-Richtlinie werden Großunternehmen nun auch verpflichtet, ihre Zulieferer einzubeziehen. Somit wird es in den nächsten Jahren zum Standard werden, dass auch kleinere Lieferanten Informationen zu Nachhaltigkeitsaspekten (Corporate Social Responsibility) sammeln und offenlegen.

Die Erfassung dieser Aspekte ermöglicht einen Vergleich und die Bewertung der Lieferanten und auch einfachere Wechsel zu Lieferanten, die gezielt bestimmte nachhaltige Anforderungen erfüllen. Dadurch ist langfristig der Aufbau nachhaltiger transparenter Lieferketten im Sinne eines Lieferantenmanagements machbar. So ermöglichen bereits einzelne Unternehmen der Lebensmittelbranche eine vollständig transparente Rückverfolgung von gefangenen Fischen über alle Lieferanten, Fangmethoden und Beschaffungswege hinweg. Auch im Papierbereich können Produkte durch Eingabe des FSC-Codes nachverfolgt werden.

Auch zeigt die Praxis, dass eine Zusammenarbeit mit den Lieferanten zu Effizienzverbesserungen führen kann, wie beispielsweise durch einen fachlichen Austausch über Energieeffizienzmaßnahmen.

Zuletzt sollte das Produktdesign beim Unternehmen selbst darauf ausgerichtet sein, die Auswirkungen auf die Umwelt zu verringern. Dieses Feld besitzt ein hohes Innovationspotenzial, benötigt jedoch Investitionen in Forschung und Entwicklung und zahlt sich erst mittel- bis langfristig aus.

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