Von G3.1 zu G4: Die neue Generation der Nachhaltigkeitsberichterstattung


Was ändert sich mit der neuen GRI-Richtlinie G4?

tl_files/blog/2013-01/g4 Titelbild.jpgDie Global Reporting Initiative (GRI) hat die vierte umfassende Überarbeitung ihrer Leitlinien für die Nachhaltigkeitsberichterstattung – die G4 - veröffentlicht. Die neuen G4-Leitlinien wurden am 22. Mai auf der GRI Global Conference 2013 in Amsterdam veröffentlicht.

Ziel der Erneuerung war, aktuelle und zukünftige Trends der Berichterstattungspraxis zu ökologischen, sozialen und ökonomischen Aspekten aufzugreifen. Der jetzigen Veröffentlichung ging ein zwei Jahre andauernder Dialog und Entwicklungsprozess mit verschiedenen Stakeholdern voraus.

Die neuen Leitlinien sollen leichter zu nutzen sein und betonen unter anderem den Aspekt der Wesentlichkeit in der Nachhaltigkeitsberichterstattung stärker und beinhalten neue und aktualisierte Vorschriften in den Bereichen Unternehmensführung, Ethik und Integrität, Lieferkette, Korruptionsbekämpfung sowie Treibhausgasemissionen.

Die neuen Leitlinien bestehen aus zwei getrennten und sich ergänzenden Teilen:

1) Berichterstattungsprinzipien und Standardangaben

Beinhalten die Kriterien, die bei der Erstellung des Berichts eingehalten werden sollen, die Berichterstattungsprinzipien im Sinne von Inhalt und Qualität und die erforderlichen allgemeinen und spezifischen Standardangaben

2) Umsetzungshandbuch

Weitere Erläuterungen zur Anwendung der Berichterstattungsprinzipien und die Erarbeitung und Sammlung der Angaben

In einem früheren Blogbeitrag behandelten wir bereits die Vor- und Nachteile der geplanten Änderungen, so dass jetzt weniger die Bewertung als vielmehr die genaue Darstellung der Änderungen und Auswirkungen Fokus stehen soll.

Zahlreiche Änderungen sollen Berichterstattung erleichtern

tl_files/blog/2013-01/Tabelle G4.png

Fokus auf Wesentlichkeit der Indikatoren ("Materiality")

Das Prinzip der Wesentlichkeit erhält eine entscheidende Rolle innerhalb der neuen Richtlinien. Der Begriff der Wesentlichkeit wird als die "Schwelle, bei deren Überschreiten Aspekte wichtig genug werden, dass über sie berichtet werden sollte" beschrieben. Das berichtende Unternehmen kann künftig selbst entscheiden, welche Aspekte die bedeutenden wirtschaftlichen, umweltbezogenen und sozialen Auswirkungen widerspiegeln, die das Unternehmen hat oder die bedeutend für die jeweiligen Stakeholder sind und genau diese berichten. In die Entscheidung soll nicht nur die wirtschaftliche Lage des Unternehmens einbezogen werden, sondern ebenso wichtig ist die Berücksichtigung interner und externer Faktoren, der Einklang mit gängigen Methoden und die Beachtung gängiger Bedenken von Expertenkreisen sowie die Schwerpunktsetzung auf Bereiche, die aktives Management oder Engagement des Unternehmens erfordern. GRI gibt somit keine Vorgaben mehr, wie viele Indikatoren aus welchen Bereichen berichtet werden sollen, um eine bestimmte Anwendungsebene zu erreichen. So soll beispielsweise ein Stromversorger besonders ausführlich auf die CO2-Bilanz der Kraftwerke eingehen, aber dafür z.B. die Einsparung bei Kopierpapier nur kurz berichten. Die neue Richtlinie unterscheidet aus diesem Gedanken heraus auch nicht mehr zwischen Kern- und Zusatzindikatoren, da der Berichterstatter selbst die Indikatoren, die für ihn wesentlichen sind, auswählt.Der Prozess zur Bestimmung der wesentlichen Indikatoren soll nach GRI folgendermaßen aussehen:

tl_files/blog/2013-01/materiality.png

Abschaffung der Anwendungsebenen

Das System der Anwendungsebenen (Level A, B und C) wird durch ein zweistufiges Bewertungssystem bestehend aus den Optionen "Core" und "Comprehensive" ersetzt. Grund für die Abschaffung der Ebenen war vor allem, dass ihnen oftmals eine falsche Bewertung zugesprochen wurde. So wurde häufig gedacht, dass Berichte nach Level A besonders „gute“ Berichte seien, dabei bedeutet das Level nur, dass alle erforderlichen Indikatoren (formell) enthalten sind. Im neuen System steht "Core" für Berichte, die den Großteil der Standardangaben (Profilangaben zum Unternehmen und Managementansatz) und mindestens einen relevanten Indikator für jeden wesentlichen Aspekt beinhalten. In die Kategorie "Comprehensive" sind dagegen Berichte einzuordnen, die alle Standardangaben und alle relevanten Indikatoren für jeden wesentlichen Aspekt beinhalten. 

Wachsende Bedeutung der Lieferkette

Die neue Generation der GRI-Richtlinien erweitert außerdem die Systemgrenzen der Berichterstattung. So wird auf die Aspekte ab Beginn der Lieferkette bis hin zum fertigen Produkt auch nach Fertigstellung verstärkt Wert gelegt. In diesem Zusammenhang wurden verschiedene Indikatoren der Bereiche Umwelt, Arbeitsbedingungen, Menschenrechte und Gesellschaft mit Fragen hinsichtlich der Verantwortung in der Zuliefererkette ergänzt und diesem Themenbereich damit eine höhere Bedeutung beigemessen. 

Änderungen der Indikatoren

Die G4-Generation enthält einige neue Indikatoren. So wurden im Bereich der Profilangaben zu Governance (Unternehmensführung) und Ethik neue Indikatoren aufgenommen sowie hinsichtlich der Governance-Angaben fast alle bestehenden Indikatoren überarbeitet. Auch in zahlreichen weiteren Indikatoren in allen Bereichen gab es Zusätze und Änderungen kleinerer Art. Zudem wurden auch für die Managementansätze eindeutige Vorgaben entwickelt, welche Angaben für die Managementansätze der als wesentlich eingeordneten Bereiche erforderlich sind. 

Mögliche Auswirkungen von G4

Die tatsächlichen Auswirkungen der neuen Richtlinie lassen sich natürlich erst ausmachen, wenn sie tatsächlich von ersten Organisationen umgesetzt wird. Allerdings gibt es einige wahrscheinlich zu erwartende – teilweise von GRI gewünschte – Auswirkungen: 

  • Mehr Berichterstatter: "Core" Berichte sind einfach und auch gut für Erstberichterstatter geeignet
  • Kürzere Berichte: Durch den Fokus auf die Wesentlichkeit ("Materiality") können große Bereiche weggelassen werden, die nicht relevant für Unternehmen sind
  • Berichtete Indikatoren ausführlicher: Dadurch, dass weniger Indikatoren berichtet werden, wird die Ausführlichkeit der Berichterstattung der wesentlichen Indikatoren zunehmen
  • Berichte leichter zu lesen: Durch die erwarteten kürzeren Berichte können die Berichte übersichtlicher und für Stakeholder dadurch einfacher zu lesen werden
  • Schwierigere Vergleichbarkeit der Daten zwischen den Berichten: Da sich die Unternehmen nur noch auf die wichtigsten Indikatoren und Daten beschränken und Unwesentliches weglassen können (z.B. den Wasserverbrauch bei einem kleinen Standort, wenn er gegenüber dem Gesamtverbrauch nicht relevant ist), wird es schwieriger, die Leistungen der Unternehmen untereinander zu vergleichen

Übergangsregelung von G3.1 zu G4

Organisationen, die nach den GRI-Richtlinien berichten, können die früheren Versionen (G3 und G3.1) bis zum Übergang auf G4 weiter anwenden. GRI erwartet jedoch, dass der Übergang zu G4 spätestens in den Berichten abgeschlossen ist, die nach dem 31. Dezember 2015 veröffentlicht werden. Nachdem die Regelung nun endgültig veröffentlicht wurde, bleibt zu beobachten, wie die tatsächlichen Auswirkungen sind und welchen Einfluss dies auf die allgemeine Entwicklung der Nachhaltigkeits-Berichterstattung hat. Bisher gab es wenige Reaktionen von Seiten der Unternehmen, was vermutlich daran liegt, dass diese sich zunächst einmal einen Überblick verschaffen müssen. Es bleibt also spannend.

Downloaden können Sie die neue Richtlinie hier.

 

Update März 2017

Mittlerweile ist auch der Nachfolger von GRI G4 erschienen, "GRI Standards" genannt. Alles wichtige hierzu lesen Sie HIER.

 

Kategorien

Letzte Beiträge

| Abgleich der Inhalte zur nichtfinanziellen Erklärung des HGB mit den GRI Standards

Folgende Übersicht vergleicht die Inhalte der nichtfinanziellen Erklärung gemäß des CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetzes ("CSR-Richtlinie") mit den Inhalten des Nachh...

Weiterlesen …

| Neue Richtlinien zur geförderten Energieberatung im Mittelstand

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) hat zum 1. Dezember 2017 die Richtlinie zum Förderprogramm • „Energieberatung Mittelstand“ novelliert.

Weiterlesen …


Blog-Archiv

Zurück