Von grünen Gebäuden zu grünen Unternehmen


Ein Gastbeitrag von Dagmar Hotze, greenIMMO Medien

Grüne Immobilie

Die Argumente von KMU, sich nur zögerlich mit dem Thema CSR-Berichterstattung zu befassen, sind schnell aufgezählt: Zu kompliziert, zu aufwendig, zu teuer. Alles Schnickschnack! Zu einem, weil sie nicht stimmen und zum anderen, weil mittelständische Unternehmen bisher zu wenig erkannt haben, dass sie aufgrund ihrer übersichtlichen Struktur eigentlich relativ schnell in der Lage sein könnten, die notwendigen Informationen zusammenzutragen. Diese dann mit Hilfe einer softwaregestützten Lösung (wie etwa 360 report) nach dem international anerkannten Reporting-Standard der Global Reporting Initiative (GRI) systematisch aufzubereiten, wäre ein leicht zu bewerkstelligender Schritt - wäre. Beinahe möchte man den Mittelständlern zurufen: Ergreifen Sie die Chance! Nutzen Sie die Berichterstattung, um Ihre "grünen" Alleinstellungsmerkmale schwarz auf weiß zu belegen und damit operieren zu können! Warum werden die Vorteile (noch) nicht gesehen?

Green Buildings sind erst der Anfang

Schauen wir uns an, wie Nachhaltigkeit eine Branche verändert und werfen wir einen Blick auf die Immobilienwirtschaft. Mit 40 Prozent gehören Gebäude zu den Hauptverursachern des schädlichen Klimagases CO² - und sind dazu noch kostspielige Energiefresser. Professionelle Immobilieneigentümer engagieren sich deshalb seit einigen Jahren im Bereich des nachhaltigen Bauens, errichten sogenannte Green Buildings (Zertifizierungssysteme sind u.a.: BREEAM/UK, LEED/US, DGNB/D) und modernsieren ihre Objekte nach energetischen Gesichtspunkten. Trotz der entstandenen Komplexität in Planungs- und Arbeitsprozessen, ist ein großer Vorteil festzustellen: Datentransparenz.

Die Gretchenfrage für Gebäudebesitzer ist nun: Rechnen sich nachhaltige Immobilien und wie bekommen wir das heraus? Allein auf der einzelnen Objektebene zu forschen, bringt wenig. Stattdessen ist eine ganzheitliche Perspektive über das gesamte Portfolio anzustreben. Mehr noch: Vor allem international tätige Player sind bestrebt, über die Objektbetrachtung hinaus, Nachhaltigkeitsaspekte und CSR-Themen in ihre Unternehmensstrategie zu integrieren und ihre Prozesse daraufhin auszurichten. Und dies nicht nur aufgrund von Vorschriften und gesetzlichen Bestimmungen. Es ist die Erkenntnis gereift, dass nur mit Hilfe einer detaillierten Datenlage ein ökonomisch nachhaltiges Immobilienmanagement gewährleistet werden kann. Unbedingt verbunden damit ist das Riskomanagement und nicht zuletzt die Immobilienbewertung.

Branchen-Leitfaden definiert Handlungsfelder

Als einflussreicher Branchenverband engagiert sich der ZIA (Zentraler Immobilien Ausschuss) für das Thema Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft und hat einen Leitfaden (http://www.zia-deutschland.de/themen/nachhaltigkeit/) für seine Mitglieder erarbeitet, der unter anderem auf Nachhaltigkeitsreporting, Corporate Governance und CSR eingeht. Die Schrift ist zwar kein Tool für die konkrete Anwendung, doch liefert sie zahlreiche Hinweise, welche Handlungsfelder involviert sind. Selbst aktiv zu werden, ist dann jedem selbst vorbehalten. Die Tanker der Branche tun dies, indem sie einen "Head of Sustainability" ernennen, der als Schnittstelle zwischen den einzelnen Abteilungen fungiert, oder sie haben gleich eine CSR-Abteilung eingerichtet. Einige Immobilienkonzerne veröffentlichen mittlerweile neben ihrem Geschäftsbericht einen CSR-Bericht.

Nachhaltigkeit Immobilienbranche

Relevanz von CSR-Berichterstattung nicht unterschätzen

Kleine und mittelständische Immobilienunternehmen beschäftigen sich erst langsam mit dem Themenkomplex CSR und wenn, dann doch eher punktuell als systematisch. Um Fortschritte zu machen, sind einfach zu handhabende Arbeitsmittel notwendig, mit denen die sieben Kernthemen gesellschaftlicher Verantwortung ohne großen "CSR-Apparat" für sie fassbar werden: Organisationsführung, Menschenrechte, Arbeitspraktiken, Umwelt, faire Betriebs- und Geschäftsbeziehungen, Konsumentenanliegen und die Einbindung der Gemeinschaft. Stehen diese zur Verfügung, lassen sich nach der Evaluierung konkrete Maßnahmen ableiten, die das Unternehmen weiterbringen. Das ist eine der Herausforderung für den Mittelstand.

Wer sich hingegen nicht mit dem Thema beschäftigt, handelt fahrlässig. Denn eines sollten immobilienwirtschaftliche Mittelständler bedenken: Durch die schriftliche Darlegung ihrer gesellschaftlichen Verantwortung steigern sie nicht nur ihre Reputation und erhöhen ihre Glaubwürdigkeit bei Kunden, Mietern, Mitarbeitern und Zulieferern. Sie verschaffen sich auch gegenüber der Politik ein anderes Standing! Außerdem sollten sie im Blick behalten, dass bei der Auftragsvergabe im Immobilien- und Bausektor immer häufiger CSR-relevante Kriterien abgefragt werden. Ein entsprechendes Reporting kann also hilfreich sein, um ein Angebot zu untermauern bzw. um überhaupt teilnehmen zu können.

Perspektivisch gesehen wird die CSR-Berichterstattung für den Mittelstand - schon aufgrund der jüngsten Signale der EU-Kommission - kein Nice-to-have bleiben. Vielmehr wird sie der Maßstab werden, an dem sich Unternehmen werden messen lassen müssen.

Foto 1: Bauarbeiten im Mai 2010 am Spiegel-Gebäude in der HafenCity in Hamburg, das als Green Building erstellt wurde. / Bildrechte: greenIMMO

Foto 2: Innovative Gebäudetypologien waren die Highlights der Internationalen Bauaustellung2013 in Hamburg. / Bildrechte: greenIMMO

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